Beckeraachen

Kunstwechsel

Zum Hambacher Forst

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Bemerkungen eines Unpolitischen

Offener Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

lieber Herr Laschet,

Ich bin froh, dass es meinem Freund, dem guten und bekannten Künstler Helge Hommes gelungen ist, im Hambacher Forst in diesen Tagen 11 große Bilder zu malen, und ich hoffe, dass sie eines Tages in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf gezeigt werden. Denn der Hambacher Forst wächst jetzt mehr und mehr zu einem Bild, einem Symbol für einen Zustand unserer Gesellschaftskultur, und ich lese mit Erschrecken, dass Sie sich abwenden, eine Auseinandersetzung verweigern und so eine Krise fördern, die ihrem Höhepunkt entgegen gleitet.

Ich bin durch den Hambacher Forst gelaufen und habe an Walter Scott und Robin Hood und Sherwood gedacht, die alten Steineichen und Buchen bewundert, die fragilen Architekturen der Baumhäuser, habe mit einer jungen Bewohnerin über die Geschichte dieses Waldes gesprochen, der ganz und gar die Geschichte des Rheinlandes spiegelt, und habe mir vorgestellt, Sie machten sich für Ihr Heimatland stark, dieses bis jetzt erhaltene bescheidene Reststück des schönen Waldes dem Industriekoloss RWE abzukaufen und in ein liebenswertes Stück Naturpark verwandeln lassen, in dem friedliche  Menschen, die den Städten entfliehen, in Baumhäusern wohnen können. (Es werden nicht viele sein, denn die dort jetzt wohnen, werden den Wald verlassen, sobald er nicht mehr bedroht ist.)

Um dem Maler freien Zugang zum Wald zu verschaffen, habe ich mit der Einsatzleitung im Aachener Polizeipräsidium und einigen Ordnungskräften vor Ort gesprochen und bin überall einer Verlegenheit begegnet, die deutlich macht, dass niemand ein vitales Motiv hat, niemand zu einer Entscheidung bereit ist, ohne zurückzufragen (so dass sogar die Polizeigewerkschaft sich wehrt), dass sogar die Autoritäten der RWE den Wald nur noch einer Sanierung der Tagebaugrube geopfert sehen – kurzum: es wird einer gebraucht, der mit der Faust auf den Tisch haut, ein Ministerpräsident (ich war nur Museumsdirektor, aber ich weiß, wovon ich rede).

Das Szenario der Räumung, und Rodung, das jetzt begonnen hat, entsetzt mich. Übergriffe, Verletzungen, Anklagen, Zerstörungen und hilflose Demonstrationen, Waldspaziergänge von Menschen, die ihren Kindern die Bäume und ihre Bewohner zeigen, bieten sich den Medien weit und breit. Sie verlieren Ihre Wähler, lieber Herr Laschet, wenn Sie nicht einschreiten, Schlichter einsetzen, Gespräche führen und deutlich machen, dass Ihnen in Ihrer Position die zahlreichen Menschen, die das kleine Waldstück erhalten wollen, nicht gleichgültig sind, ja, dass es Ihnen als gewähltem Repräsentanten der Exekutive, eine Pflicht ist, Entscheidungen zu verteidigen, die Sie verantworten – und, neuen Einsichten folgend, zu korrigieren.

Der Kohlebedarf sinkt, der Tagebau wird desolat, die Grube verwandelt sich in einen großen See, an dessen Ufer steht ein alter Wald…..ERHALTEN SIE DEN HAMBACHER FORST!

Mit herzlichen Grüßen

Wolfgang Becker

http://www.wbecker.kulturserver.de

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